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Sonntag, 14. Dezember 2014

Seifenblasenadventskalender: 13. und 14. Türchen



"Dann bring mir das mit, was dir auf deinem Weg vor die Nase fällt."

- aus: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel



Hallöchen ihr Leseratten!
Ja, ja, ich weiß - gestern war der 13. Dezember und nicht heute. Das habe ich eben auch mit Erschrecken festgestellt, wo ich doch so vertieft in dem Film des heutigen Zitates versunken war und alles um mich herum vergessen hatte.
Deswegen werden heute einfach das dreizehnte und vierzehnte Tüchen geöffnet - ganz einfach. Jeder kann mal etwas vergessen und das selbst aktualisieren funktioniert hier irgendwie bei Blogger überhaupt nicht...

Für alle, die noch keine Geschenke haben bzw. noch überhaupt keine Idee für ein Geschenk haben, könnte heute die rettende Lösung kommen, denn heute stelle ich euch unter anderem ein paar Do It Yourself Videos für wunderschöne Geschenkideen vor! Warum immer etwas kaufen, wenn etwas Selbstgemachtes doch erstens viel persönlicher ist und man eventuell noch ein wenig Geld sparen kann?


Vorhang auf für das erste Video, in dem erklärt wird, wie man einen süßen Weihnachtsmann-Loom-Anhänger knüpfen kann




Weiter geht es mit diesem Video hier, in dem euch gezeigt wird, wie man eine solche süße Weihnachtskarte ganz einfach nachbasteln kann :)




Oder wie wäre es mit so einer hübschen Karte?




Und nun eine hübsche Idee, um ein langweiliges Teelicht richtig schön auzupeppen und auch zu verschenken




Haben euch die Videos gefallen? Ein bisschen inspiriert? Ich hoffe doch :)
Und nun geht es mit dem zweiten Teil heute weiter: Einer kleinen, weihnachtlich-romantischen Geschichte! Viel Spaß beim Lesen.



Weihnachtskuss

„Da! Da ist er!“ kreischte mir meine Freundin Zoé ins Ohr. „Doch nicht da! DA!“
Sie zeigte irgendwo in Richtung anderes Ende vom See.
Mit >>Er<< meinte sie meinen langjährigen Schwarm Louis. Louis ging in unsere Klasse und sah wahnsinnig gut aus, was dummerweise auch von anderen Mädchen nicht unbemerkt blieb. Was jedoch dagegen unbeachtet blieb, war ich, allerdings von Louis. Ich rückte ein Stück von Zoé ab und griff mir an die Ohren. „Mensch Zoé, Dank dir bekomme ich demnächst einen Hörschaden!“ Nicht zu vergessen dass sich die Leute wegen dem ungewöhnlich lautem Organ meiner Freundin andauernd nach uns umdrehten. Zoé kicherte. „Sei doch nicht so verklemmt, Louna! Außerdem hatten wir etwas abgemacht.“ Ich verzog unbehaglich das Gesicht. Seit der fünften Klasse schwärmte ich schon für Louis und ich hatte mich noch nie getraut ihn an zu sprechen. Zoé wollte das ändern und hatte das Lichterfest als perfekten Zeitpunkt für ihre Operation Louis auserkoren.
Das Lichterfest war wie jedes Jahr ein ganz besonderes Ereignis: Inmitten unserer Kleinstadt irgendwo in der Pampa lag ein von hohen Tannen gesäumter See der sich im sich im Winter in eine glitzernde Eisfläche verwandelte und jährlich fand am 24. Dezember hier das Lichterfest unseres Kaffs statt. Es gab Feuerwerk, Crêpes und Glühwein. Die altmodischen Laternen rum um den See wurden mit zahllosen Lämpchen und Lichterketten behangen und die Luft war erfüllt von weitläufigem Gelächter und dem Duft nach Zimt. Herrlich – Und bis auf die Hartnäckigkeit von Zoé war auch eigentlich alles perfekt. Ich liebte das Eislaufen und freute mich schon meine neuen Schlittschuhe, die ich zu meinem letzten Geburtstag geschenkt bekommen hatte, einzuweihen. Außerdem hatte mein längster und auch bester Freund Jules versprochen vorbei zu kommen und ich war schon ungeheuer gespannt auf seinen Gesichtsausdruck, wenn ich ihm mein Geschenk überreichen würde.
Da dieser sich allerdings noch immer nicht hatte blicken lassen, beschloss ich erst einmal ein bisschen Schlittschuh zu fahren und mich nebenbei vor Zoé zu retten. Ich hatte sie wirklich gern, aber manchmal bewies sie einen gewissen Hang zur Dramatik.
Also teilte ich Zoé mein Vorhaben mit und nahm langsam Anlauf. Eislaufen war eines der wenigen Dinge die ich auf die Reihe bekam, beziehungsweise konnte –Jules hatte es mir beigebracht, er selbst spielte Eishockey und stand deshalb schon seit frühster Kindheit sicher auf den Kufen. Während ich mich in ein paar kleinere Kunststückchen übte, musste ich unweigerlich an ihn denken. Außerdem freute ich mich schon auf heute Abend. Irgendwo zwischen den Laternen am Ufer des Sees spazierten meine Eltern, wir hatten ausgemacht am frühen Abend uns wieder zu treffen. Und dann würden nicht nur alle unsere Verwandten sich zum Essen bei uns in der alten Villa in der Nähe des Sees einfinden, sondern auch Jules‘ Familie. Seine Eltern waren wie das Klischee es so wollte nämlich ebenfalls miteinander befreundet, und da auch die Familie Bertignac Verwandte eingeladen hatte würde es heute ein ziemlich volles Haus werden. Also eigentlich wie jedes Jahr.
Meine Geschenke für all meine Lieben lagen schon bei uns im Wohnzimmer unter dem Weihnachtsbaum den ich zusammen mit meiner Mutter schon Anfang Dezember mit pummeligen Engelchen und goldenen Christbaumkugeln geschmückt hatte. Meinte gesamten Ersparnisse des letzten Jahres waren für die Geschenke draufgegangen. Gut – ein paar waren auch selbstgemacht. Mit viel Liebe, versteht sich.
Ich versuchte mich noch an einer doppelten Pirouette, aus allerdings nur eine Anderthalbdrehung wurde, ehe ich wieder zu Zoé zurückschlitterte.
„Du warst großartig! Ganz im Ernst, Wahnsinn! Ich wünschte ich wäre so gut wie du!“ schwärmte sie. „Abgesehen davon eine gute Taktik! Louis hat die ganze Zeit zu dir rüber gesehen!“ Ich war überrascht „Ehrlich?“. Zoé nickte eifrig. „Und weißt du, was das heißt?" Sie machte eine bedeutungsschwere Pause „Das heißt, du gehst da jetzt rüber“ Sie deutete abermals ins nirgendwo „Und quatscht den Typ an. Verstanden?“ ich hob abwehrend die Hände, während ich ohne auf Zoés Herumgefuchtel zu achten versuchte in der Menge Louis auszumachen. Und gerade als ich seine schlanke Gestalt neben seinen Freunden erblickte, spürte ich einen heftigen Stoß zwischen die Schulterblätter und ich schlitterte wild mit den Armen rudernd auf das Objekt meiner Begierde zu und zudem machte mein erschrockenes Kreischen alle in meinem näheren Umkreis auf mich aufmerksam. Und gerade in diesem Moment hörte ich von links neben mir Jules Stimme: „Louna!“.
Viel zu schnell kam er an geschlittert, konnte nicht mehr bremsen und prallte kurzerhand gegen mich. Von der Wucht des Stoßes rutschten meine Füße nach hinten Weg und ich krachte mit dem Gesicht voran aufs Eis, während Jules auf mir landete. Autsch.
„Oh Gott! Louna, das tut mir total leid!“ stotternd versuchte Jules sich auf zusetzten, während ich nur stöhnend am Boden lag. Mein Kinn brannte, meine Nase tat weh und meine linke Gesichtshälfte fühlte sich nicht besser an.
Zoé kam herbeigestürzt, ebenso wie ein paar andere meiner Klasse und meine Eltern, die das ganze wohl vom Weiten mit angesehen hatten. Jules schob mir die Hände unter die Achseln und hievte mich in eine einigermaßen bequemere Position: Ich saß immer noch auf dem kalten Eis, mein Kopf war an seine Brust gebettet und um mich herum hatte sich eine Menschentraube gebildet – ich wurde mitleidig und besorgt gemustert. Wie von selbst schweifte mein Blick zu einer Lücke zwischen den Leuten, die eine exzellente Aussicht auf meinen Schwarm bot. Oder sollte ich sagen, Ex-Schwarm? Denn Louis stand da und lachte – und das ganz offensichtlich über mich! Das bildete ich mir auch nicht ein: Denn er sah mich dabei geradewegs an.
„Komm Schätzchen, du kannst nicht die ganze Zeit auf dem Eis sitzen, das ist viel zu kalt!“ Meine Mum drängelte sich nach vorne und hockte sich neben mich. Jules packte mich wieder unter den Armen und zog mich auf die Füße. Ich beschloss jetzt einfach mal mich zusammen zu reißen, weshalb ich Jules versicherte alleine stehen zu können während ich gleichzeitig ein Wimmern unterdrückte. Offensichtlich hatte auch mein linkes Bein etwas abbekommen. „Maélys, machen Sie sich keine Sorgen, ich bringe Louna nach Hause und kümmere mich um sie“ wandte sich schließlich Jules an meine Mutter. „Das ist lieb von dir Jules, aber ich komme doch lieber mit.“ Während Jules mich langsam zum Ufer dirigierte, gemeinsam mit Zoé die sich an meinen Arm klammerte redete dieser weiter auf meine Mutter ein, zeitgleich wie Zoé, die mich mit ihren Entschuldigungen überschüttete. „Ach Mensch, das tut mir ja so leid! Das ist alles meine Schuld, entschuldige bitte, dass ich dich geschubst habe, aber wie hätte ich ahnen können das in dem Moment Jules wie ein Irrer auf dich zugerast kommt? Schade das es heute wieder nicht mit…“ ich unterbrach ihren Redeschwall mit einem schrillen „Zoé!“, woraufhin mich mal wieder alle perplex anstarrten. Ich setzte mich auf eine Bank am Ufer, Zoé reichte mir meine Tasche und ich begann meine Schlittschuhe auf zu schnüren. „Lass nur, ich mach das!“ bot Jules auch sogleich zuvorkommend an und kniete sich vor mich in den Schnee. „Zoé, halt den Mund“ zischte ich barsch meine Freundin an. „Muss doch nicht gleich jeder wissen!“ Ich hatte meinen Eltern logischerweise nichts von meiner Schwärmerei erzählt – und ich hatte eigentlich vorgehabt es auch nicht zu tun!
Folglich wurden meine Eltern sofort misstrauisch. „Worum geht es denn, Liebes?“ hakte meine Mum sogleich neugierig nach. „Ist ein Mädchending“ grummelte ich abwehrend während Zoé schuldbewusst zu Boden schaute.
Jules hatte meine Schuhe fertig gebunden und erhob sich. Nochmals versuchte er meine Mutter zu überreden uns alleine nach Hause gehen zu lassen: „Das macht mir wirklich nichts aus, genießen sie nur das Lichterfest, und Louna geht es glaube ich auch wieder etwas besser, oder?“ Ich nickte eifrig. Jules bewies mal wieder seine empathischen Fähigkeiten – Ich hatte momentan überhaupt keine Lust auf meine überbesorgte Mutter.
Ich bemerkte, wie sie schwankte. „Nun gut. Jules, ich vertraue dir!“ sie warf ihm einen bedeutungsschweren Blick zu, ehe sie sich zu meinem Vater umwandte. „Komm Mathis, wir sagen den anderen Bescheid, dass es Louna soweit gut geht. Und für dich ist das auch okay?“ letzteres war an mich gerichtet. Ich nickte abermals, Jules wirkte zufrieden. Er schulterte meine Tasche und ich stand auf. „Zoé, ich ruf dich später an“ Sie nickte. „Und – “ sie senkte die Stimme „Louis?“. Ich schnaubte „Der soll bleiben wo der Pfeffer wächst!“ „Was ist denn mit Louis?“ mischte sich Jules ein. Meine Eltern waren schon gegangen. „Nichts.“ Erwiderte ich rasch und machte einen Schritt auf den Weg zu. „Kommst du? Bis dann Zoé!“ Jules nickte und ich war ihm dankbar dass er nicht weiter nachfragte. Bald schon befanden wir uns allein auf dem Waldweg in Richtung unserer alten Villa. Vor unseren Mündern bildeten sich Atemwölkchen und es herrschte eine geradezu gespenstische Stille.
„Tut mir echt leid“ entschuldigte sich Jules nach einer Weile des Schweigens nochmals. „Ist okay, war ja nicht deine Schuld“ versicherte ich ihm, worauf natürlich wieder heftige Proteste folgten „Natürlich. Hätte ich mehr aufgepasst, wäre das gar nicht erst passiert. Ich hab dir quasi Heiligabend verdorben!“ „Quatsch!“ unterbrach ich ihn. „Tut es eigentlich noch sehr weh?“ „Nein“ log ich.
Schweigend gingen wir weiter. Es war eigentlich ein recht angenehmes Schweigen, verzaubert betrachtete ich die Winterlandschaft um uns herum. Alles glitzerte und funkelte.
Wir sprachen kein Wort, bis wir bei uns ankamen. Friedlich lag mein Zuhause zwischen hohen Bäumen, alles überzogen mit einer grell weißen Schneedecke.
Ich kramte meinen Schlüssel aus der Tasche und schloss auf. „Na dann: Herein spaziert!“
Wir hängten unsere nassen Mäntel und Schals an die Garderobe, tauschten Stiefel gegen Kuschelsocken und anschließend verbannte mich Jules aufs Sofa, während er uns Tee aufkochte und Zeug zum Verarzten.
Einige Minuten später kam er wieder, in der einen Hand ein Tablett mit zwei dampfenden Tassen die einen intensiven Duft von Äpfeln und Zimt verströmten, und in der anderen unserer Erste-Hilfe-Koffer. „So…“ er zog das Wort in die Länge, stellte das Tablett ab und setzte sich neben mich. „Was kommt?“ meinte er in Richtung Fernseher nickend. „Die Schneekönigin“.
In seiner Abwesenheit hatte ich den Fernseher angeschaltet und durch die Programme gezappt, bis ich bei meinem Lieblingsmärchen hängen geblieben war. Jules grinste, ehe sein Gesichtsausdruck wieder zu ernst wechselte, er ein Tuch mit Alkohol beträufelte und sich über mich beugte.
„Achtung, das brennt jetzt vielleicht ein bisschen…“ er tupfte vorsichtig mein aufgeschürftes Kinn ab und ich biss die Zähne zusammen. Während seine Hand mit dem Tuch weiter über mein Gesicht wanderte konnte ich nicht anders, als ihn anzusehen. Er sah mir nicht in die Augen, nur auf mein Gesicht und zum aller ersten Mal fielen mir diese unzähligen kleinen schwarzen Punkte in seiner Iris auf. Seltsam, dass mir das in noch nie aufgefallen war. Und auch dieser herbe Vanilleduft, der von ihm ausging war mir neu. „Du duftest nach Vanille“, flüsterte ich. „Ehrlich?“ er sah mir kurz in die Augen, wandte den Blick dann aber wieder ab. „Mhm. Hast du ein neues Shampoo oder so?“ Jules schüttelte den Kopf und wechselte das Thema „Das sieht böse aus. Das sollte sich glaube ich doch mal ein Arzt ansehen, dein Gesicht ist leicht angeschwollen.“ „Was?!“ Jules musterte mich besorgt und strich mir mit dem Daumen gedankenverloren über die Wange. Mir wurde mit einem Schlag richtig heiß. Die Schatten die das Feuer im Kamin auf sein Gesicht warf tanzten und ließ sein Haar golden leuchten. Beinahe übermächtig war plötzlich der Drang ihm mal so richtig durch die Mähne zu wuscheln. „Du, Jules…“ begann ich. Er ließ seine Hand sinken und sah mich fragend an. Gott, hatte der einen intensiven Blick drauf! „Ich…“ „Wir sind wieder zu Hause!“ Mums Stimme hallte durchs ganze Haus und ich zuckte erschrocken zusammen. Stimmengewirr kam näher und nur ein paar Sekunden später standen meine gesamte Verwandtschaft und die gesamte Familie Bertignac im Zimmer. „Na Schätzchen, wie geht es dir?“ Besorgt kam meine Mutter auf mich zu gestiefelt, während mein Vater innerhalb kürzester Zeit unsere Anlage zum dudeln brachte, Teller mit Plätzchen verteilte und die anderen mit Getränke versorgte. Was meine Großeltern, Tanten, Onkels und Cousins anging: Die hatten sich alle im Raum verteilt, es wurde gequatscht und gelacht, einige legten noch einige Geschenke unter den riesigen Weihnachtsbaum und der Fernseher wurde auch ausgeschaltet. „Ihr geht es gut“ antwortete Jules für mich, der ein Stück von mir abgerückt war. „Allerdings ist ihr Gesicht angeschwollen. Fahren sie morgen am besten in die Klinik“ riet er ihr. Meine Mum nickte zustimmend. „Sind die Schmerzen sehr schlimm?“ Ich verneinte. Meine Mutter wollte schon fortfahren, als sie von meiner Tante Chloé wegen irgendwas gerufen wurde. „Ich komm gleich wieder Louna!“ versprach sie mir und verschwand mit ihrer Schwester in Richtung Küche. „Was war denn gerade eben?“ fragte mich Jules auch sogleich. Gerade als ich antworten wollte, dass ich das hier nicht besprechen wollte, wurde diesmal Jules gerufen, aber von seinem Vater. „Entschuldige!“ meinte er zu mir, ehe auch er ging. Nun saß ich ganz alleine und verwirrt bei uns auf der Couch und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Ja, was hatte ich Jules eigentlich sagen wollen? Ohne nachzudenken hatte ich ihm etwas mitteilen wollen. Und was? Dass ich ihn gern hatte.
War ja auch logisch: Schließlich waren wir beste Freunde. Aber der Moment davor… Wo wir uns so nach gewesen waren… da hatte ich so ein seltsames Gefühl in der Magengegend gehabt. Wie ein Flattern, so ähnlich wie ich es bis vor Kurzen noch bei Louis gehabt hatte, nur viel, viel stärker. Und dass konnte doch eigentlich nur eines bedeuten…? Nein! Das konnte nicht sein! Oder? Doch noch ehe ich meinen Gedanken zu Ende bringen konnte wurde ich von meinen Cousinen regelrecht überfallen. Den ganzen weiteren Abend hatte ich weder Gelegenheit mehr in Ruhe nachzudenken, noch mit Jules zu sprechen. Und genießen konnte ich das Ganze auch nicht so richtig. Jules sah ich auch erst wieder als es zur Bescherung ging. Die zwei Familien verteilten sich um den Christbaum und der Reihe nach wurde jedes Geschenk aufgemacht. Schließlich kam auch Jules an die Reihe. Unsicher trat er auf den Baum zu, kniete sich hin und holte die Geschenke mit seinem Namen drauf aus dem Berg. Und während er Paket für Paket auspackte, fiel mir plötzlich siedend heiß ein, dass meines noch nicht dabei war: ich hatte vergessen es dazu zu legen! Ich konnte mir gerade noch verkneifen ein lautes “Mist!“ auszurufen und beschloss es ihm später zu geben.
Eine gute Ewigkeit später waren alle durch.
Es hatte viele Umarmungen, Gelächter, Geschichten zum Beschaffen der Geschenke, Anekdoten und Freudentränen gegeben, jedoch löste sich die Versammlung allmählich wieder auf, die Menschen verteilten sich wieder im Raum und widmeten sich privaten Gesprächen. Ich sah die perfekte Gelegenheit als Jules gerade mit niemandem redete und schlenderte zu ihm hinüber. „Hey Jules!“ „Louna!“ er strahlte mir entgegen. „Du hast noch gar nicht mein Geschenk!“ kam ich ohne Umschweife zu meinem Anliegen. In seinen Augen blitzte es schelmisch auf. „Stimmt!“ „Komm mit!“ bedeutete ich ihm also und packte ihn schlussendlich an der Hand und zog ihn aus dem Raum, in unseren Wintergarten – die Terrassentür stand offen und ließ die kalte Winterluft herein. Ich holte mein Geschenk für ihn hervor und hielt es ihm mit breitem Grinsen entgegen. Ich hatte mich dazu entschlossen das seltsame Gefühl, welches sich viel zu sehr nach verliebt sein anfühlte einfach zu ignorieren. Jules nahm das Päckchen entgegen und faltete das Papier andächtig auseinander. „Wow…“ hauchte er, als er mein Geschenk dann in den Händen hielt. Ich hatte ein Fotoalbum zusammen gestellt – Fotos von uns, von früher bis heute. Immer noch um Fassung ringend blätterte Jules durch das Album, bis er es schließlich zur Seite legte und lächelnd die Arme ausbreitete. „Das ist das beste Geschenk der Welt! Danke, danke, danke!“ mit diesen Worten schloss er mich in seine Arme. Zufrieden seufzend vergrub ich meine Nase in seinem Shirt. Jules machte keine Anstalten mich loszulassen, was mich ehrlich gesagt nicht im Geringsten störte. Ich kuschelte mich nur noch mehr an ihn.
Ich weiß nicht, wie lange wir so dastanden, aber als Jules sich schließlich etwas von mir löste um mir in die Augen zu schauen, war ich beinahe enttäuscht. „Louna…“ wisperte er. Ich verlor mich in seinem Blick und registrierte nur am Rande wie sein Gesicht dem meinem immer näher kam. Und als dann Jules‘ Lippen sich auf meine legten, keuchte ich überrascht auf. Behutsam umfasste Jules mein Gesicht, hauchte mir einen weiteren Kuss auf den Mund und forderte sanft aber bestimmt einen zurück. Ich schaffte es mich einigermaßen zu fassen, sodass ich den Kuss automatisch erwiderte, meine Arme um seinen Hals schlang und die Augen schloss. Unser Kuss dauerte klassischer Weise eine Ewigkeit und als wir uns dann wieder voneinander lösten konnte ich nicht anders als breit zu grinsen. Denn nicht nur dass ich jetzt weder mir noch jemand anderem gegenüber leugnen konnte, dass ich mich doch wahrhaftig in meinen besten Freund verliebt hatte, meine Gefühle wurden auch noch erwidert! Bauchkribbeln hoch zehn!
Plötzlich fing Jules leise an zu lachen. „Was ist?“ „Schau mal über uns!“ forderte er mich auf. Ich richtete meinen Blick empor, und was sah ich da? Über uns hing doch tatsächlich ein Mistelzweig! Ich kicherte. „Passt doch!“ und mit diesen Worten zog ich Jules erneut zu mir hinunter und presste meine Lippen fest auf seine.

Ein schöneres Weihnachtsgeschenk gab es nicht!




Wir wünschen euch einen wunderschönen 3. Advent!
Eure Natalie und Tina :)

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Huhu lieber potenzieller Kommentarschreiber (:

Immer nur her mit deiner persönlichen Meinung, wir freuen uns über Feedback aller Art, also nur nicht so schüchtern, sei ehrlich ;)

Wir wünschen dir noch alles Liebe und freuen uns auf deinen nächsten Besuch!

Bis Bald,
Deine Natalie und Tina