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Sonntag, 13. September 2015

Rezension zu "Märchenhaft erwählt" von Maya Shepherd



Titel: Märchenhaft erwählt
Autor: Maya Shepherd
Preis: 18,99€ [D] oder Taschenbuch 11,99€
Seitenanzahl: 344
Reihe: 1. Band der Märchenhaft Trilogie
Meine Wertung: Eine Seifenblase
Verlag: -Books on Demand-
ISBN: 978-3734759826
Will ich kaufen!


Es war einmal ein Prinz namens Lean, der seit seiner Geburt mit dem schrecklichen Fluch lebte, dass sein erster Kuss eines Tages großes Unheil über das Königreich Chòraleio bringen würde. Nur seine wahre Liebe kann ihn retten. Die zwölf schönsten Mädchen des Landes werden bei einer großen Auswahl erwählt – eine von ihnen wird Prinz Lean heiraten. Doch bis dahin liegt noch ein langer Weg vor ihnen. Es gilt Prüfungen zu bestehen, die den Mädchen alles abverlangen werden. Wie weit sind sie bereit für ein besseres Leben und die Chance auf die große Liebe zu gehen?



Diese Geschichte ist wahrhaft Märchenhaft - durch und durch sogar.

Es geht dabei um die furchtlose Heera die wider Willens bei der Auswahl der zu erwählenden Mädchen durch den Prinzen teilnimmt. Aber nur um ihrer kleineren Schwester Medea beizustehen. Jedoch wird sie von Prinz Lean ebenfalls erwählt und muss so auch ins Schloss ziehen, um sich den Prüfungen stellen und um des Prinzen Liebe zu kämpfen. Aus Heeras zu Beginn sehr abweisendem Verhalten gegenüber des Thronfolgers entwickelt sich schnell eine Freundschaft und sie muss erkennen, dass der Prinz gar nicht so arrogant und egoistisch ist, wie sie immerzu dachte - er stellt vielmehr seine eigene Bedürfnisse hinter die seines Volkes und handelt edler als vermutet. Doch unter den Erwählten verbirgt sich eine, die mit falschen Karten spielt und einen fiesen Plan verfolgt und wäre da nicht noch der Fluch der Schwarzen Hexe, der Prinz Lean einst verdammte... 


Märchenhaft erwählt bot mir einen relativ holprigen und schweren Einstieg - nach nur wenigen Seiten hätte ich es am liebsten abgebrochen und fühlte mich von der Autorin ziemlich veräppelt... Denn gleich am Anfang wird Bezug zu einem sehr bekannten Märchen, Dornröschen, genommen und quasi die Sache mit den guten Feen (oder Hexen), die dem Königskind Gaben geben, übernommen. Natürlich darf auch nicht die Böse fehlen, die, die vergessen wurde, einzuladen und die, die den Prinzen verflucht. Das machte mich sehr skeptisch, dass man die Autorin praktisch IHRE Idee auf der eines ANDEREN begründet und somit alles beginnt. Nun ja. Ich habe letztendlich nicht abgebrochen und weitergelesen. 
Jedoch ist mir die gesamte Geschichte viel zu oft und zu sehr an bekannteste Märchen, Dornröschen, Die Schöne und das Biest oder andere angelehnt. Die Autorin schafft es zwar, diese geschickt einzuweben, doch dies ist mir zu viel Bereicherung Ideen anderer. Sorry. Aber das geht gar nicht :D Man braucht eine eigenständige Idee, die auch leben könnte, wenn man hier beispielsweise die Märchenelemente von Dornröschen und Co weglassen würde, aber das funktioniert bei dieser Geschichte leider nicht. 
Da tut es auch nichts zur Sache, dass am Ende des Buchs als Anhang all die Märchen aufgezählt werden, die in dem Buch vorkommen. 
Aber wenn dort welche fehlen, die GANZ KLAR AUCH VORKOMMEN, dann werde ich im Moment wieder RICHTIG sauer! 
Beispiel: Medea, die wunderschöne Schwester Heeras, sieht aus wie Schneewittchen: Dunkle Haare, rote Lippen und heller Teint. Sie kann mit Tieren sprechen. Dieses Märchen wurde nicht im Anhang erwähnt. Genau wie mein allerliebstes Lieblingsmärchen. Das kennt ihr unter Garantie auch. Ich beschreibe mal kurz die Szenerie und ihr sagt mir, an was euch das wohl erinntert... Kleiner Tipp: Es spielt im Winter. 
*räusper* Es waren einmal drei Prinzen, die gingen auf die Jagd mit ihren Armbrüsten. Der beliebte Prinz des Königreiches ritt auf seinem Schimmel durch den Schnee, ihn begleiteten seine beiden Freunde. Da begab es sich nun, dass die Prinzen versuchten, eine Ente zu erlegen, doch sie flog schon in sehr weiter Entfernung voraus, der Prinz wagte sich trotzdem an den Versuch. Er traf - scheinbar, denn die Ente fiel in den Schnee. Nun schoss jedoch nicht der Prinz die Ente ab, sondern ein kleiner Junge von ungefähr 15 Jahren. Er wollte die Ente nicht hergeben, es sei die seine und somit rannte er mit ihr davon in den dichten Wald. Die drei Jünglinge versuchten verzweifelt, den kleinen Jungen zu fassen, es misslang ihnen jedoch. Er war einfach zu flink. Und frech. *räusper*ENDE*räusper*
Richtig. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Natürlich war der Junge gar kein Junge, sondern Heera. Und natürlich wurde dieses Märchen hinten nicht erwähnt. 
Zufall? Daran kann ich irgendwie nicht glauben. Nicht, wenn dieser Film eigentlich jedem bekannt sein müsste und Kult ist. Das macht mich unendlich traurig. Selbst der Schimmel wurde gnadenlos übernommen, wie in der Original-Geschichte. Autsch.

Kommen wir nun zur allgemeinen Handlung: Anfangs fand ich es, sobald die Geschichte so langsam an Fahrt aufgenommen hatte, spannend zu lesen, wie die Erwählten ihre Prüfungen bestehen mussten und wie sich das Verhalten Heeras gegenüber Prinz Lean stetig veränderte. Ich wollte wissen, ob sie es weiterschaffen würde. Jedoch wurden klassischerweise wie bei einem Märchen immer wieder einige Passagen stark zusammenfassend erzählt und man praktisch aus der Handlung herausgerissen. Zudem verringerte es die Spannung gen Ende sehr stark. Die gesamte Szenerie mit den erwählten Mädchen und die um die Gunst und somit um den Titel der Königin kämpften, erinnerten mich ebenfalls immer mehr an die bekannte "Selection"-Reihe.
Ebenfalls gab es häufig einen Bruch im Schreib- und Sprachstil der Autorin. Mal wurde sich sehr geschwollener und gestelzter Sprache bedient, die das Ambiente des königlichen Hofes und des Märchens perfekt untermalte, doch dann wurde gerne in eine moderne Sprache gewechselt und Wörter, wie "Idiot", passten überhaupt nicht herein. Auch war die Wahl der Worte teilweise recht holprig, beispielsweise in den, ich nenne es jetzt mal "weisen Sprüchen", zwischen jedem Kapitel. 

Zu guter Letzt - die Charaktere. Heera hat mir in diesem Märchen immer noch am besten gefallen - sie wird nicht nur als furchtlos beschrieben, sie ist das auch. Dies konnte sie mehrfach allen beweisen und hat mich nicht enttäuscht. Sie ist mir zwar nicht mega sympathisch - dafür konnte ich mich einfach nicht gut genug in sie hineinversetzen, doch immer noch am sympathischsten von allen. Ihrer Schwester Medea hingegen hätte ich gerne mal einen Klaps auf den Hinterkopf gegeben - wie eingebildet und naiv kann man nur sein?! Und wie respektlos sie teilweise Heera behandelt, das geht gar nicht. Bei Prinz Lean bin ich mir nicht recht sicher, was ich von ihm halten soll. Er wird ständig als schön, klug, stark wie ein Bär und mutig wie ein Löwe beschriebe - doch zeigt er dies jemals? Irgendwie nicht. Ich könnte nicht einmal seine Haarfarbe benennen xD Die Fähigkeit, die Charakterzüge auch unter Beweis zu stellen fehlte mir bei ihm deutlich - vermutlich deswegen sehe ich ihn als höchstens edel an. Das war's auch schon. Ebenso die anderen erwählten Mädchen. Ständig wurden ihnen irgendwelche herausragenden Charakterzüge zugesprochen - doch so gut wie nie zeigten sich diese konkret in einer Szene. Das macht es einem schwer, diese nicht als nur oberflächlich gezeichnete Randfigzguren zu betrachten. Es fehlte einfach etwas. Viel. 

Das Cover ist ein echter Hingucker und wunderschön! Es erinnert an eine verwunschene Elfenwelt, die uns an verborgene Orte führt und uns Magie offenbart. Jedoch kann ich absolut gar keinen Bezug zu dem Buch herstellen. Was nutzt es, dass das Cover so schön aussieht, es aber nichts gemeinsam mit der Geschichte oder einem der Charaktere hat? Es hätte eher Malefiz oder 12 Bauernmädchen in Prinzessinenkleider abgebildet werden müssen - der Titel passt ja. Treffender geht es nicht.
  
Da mich der Mittelteil doch noch überzeugen konnte und wären die vielen Anspielungen und Inhalte der Märchen sowie die Brüche in der Sprache weggefallen, hätte ich zwischenzeitlich fast vier Seifenblasen vergeben. Doch in Anbetracht der Überhandnahme der fremd-Märchen-Inhalte (und nicht vollständige Erwähnung aller Märchen, die mit eingebunden wurden...) , der flach ausgearbeiteten Charaktere, der viel zusammengefassten Passagen und dem Kitschende (und Selection-Anteil), vergebe ich nur noch eine Seifenblase.





Einen herzlichen Dank an Maya Shepherd für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Kommentare:

  1. Ich finde es herrlich, dass du trotz rezi Exemplar Gnadenlos ehrlich bist. Ich stimme dir in allen Punkten überein, mir ist die Geschichte viel zu oberflächlich geblieben. Mir fehlte es enorm an Zeit um mit den Charakteren anzubandeln, die Geschichten war dafür einfach zu schnell. Ich finde Märchenadaptionen dürfen ruhig offensichtlich sein, aber das beste Beispiel für eine gelungene Märchenadaption sind für mich die luna Chroniken von Marissa Meyer. Man merkt, welches Märchen verwendet wird, aber es ist so stark abgewandelt, dass es fast schon ein neues Märchen ist.
    Lange Rede kurzer Sinn, super rezi! Stimme dir total zu!
    Ganz liebe grüße!

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    1. Dankeschön für das Kompliment! :) Ich versuche eben immer ehrlich zu bleiben... und das auf eine leicht sarkastische Art, damit es nicht zu ernst rüberkommt... Das ist mir einfach ein sehr großes Bedürfnis. Ich meine, ich hätte auch schreiben können: "Buch war okay, aber im Grunde scheiße" - aber nur weil es ein RE ist, muss ich doch nicht auf einer Schleimspur ausrutschen... Nee xD Als Autor muss man Kritik vertragen können und reflektiert arbeiten können. Wer das nicht kann oder ein Problem mit meiner Meinung hat, kann gerne noch mal privat mit mir korrespondieren, aber so lange bleibe ich grottenehrlich ^^

      Liebste Grüße dir,
      Tina (:

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  2. Schade, das wunderschöne Cover hat mich eben richtig neugierig gemacht!
    Lg
    Sonja

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    1. Tja nur leider ist das Cover meistens nicht entscheidend oder gleich dem Inhalt :D

      Liebste Grüße,
      Tina (:

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  3. Hey!

    Ähnlich wie du/ihr mit dem Buch hatte ich mit deiner Rezi erst einmal totale Startschwierigkeiten. Zum einen handelt es sich bei "Märchenhaft erwählt" (das sagt ja schon der Titel) ganz offenbar um eine Märchenadaption. Dass darin Märchen verwoben und aufgegriffen werden, erwarte ich nicht nur, sondern verlange ich sogar. Alles andere wäre absolut enttäuschend!
    Zum anderen sind Märchen ja Allgemeingut. Jeder darf sich darauf - auch ohne Nennung der Märchen - beziehen, sie abwandeln, verwenden oder darauf anspielen. Das ist weder rechtlich problematisch noch verwerflich. Man siehe nur mal "Shrek" oder ähnliche Märchenadaptionen ("Luna-Chroniken" oder "Die Rotkäppchen-Verschwörung") - die sind ja nicht deshalb schlecht (oder moralisch fragwürdig), weil sie sich auf Märchen beziehen, im Gegenteil: genau deshalb sind sie gut!
    (Na gut, bei "Drei Nüsse für Aschenbrödel" kann man sich streiten, denn das ist ja kein klassisches Märchen, aber auch da war es ja augenscheinlich nur eine einzige Szene ...?)

    Gedankenklau ist mies und verboten, keine Frage! Darin stimme ich dir auch hundertprozentig zu! Dass du die offensichtlichen Parallelen zu "Selection" erwähnst, finde ich z.B. gut. Da hat sich die Autorin auch in meinen Augen etwas zu sehr inspirieren lassen, sodass es sicherlich gerechtfertigt ist, darauf hinzuweisen.
    Aber wenn man eine Märchenadaption kritisiert, weil sie auf Märchen Bezug nimmt, scheint es mir doch so, als habe man schon die Grundidee missverstanden.

    Umso mehr freut es mich, dass es in deiner Rezi nicht bei diesem Punkt geblieben ist! Du nimmst auch noch alles andere gründlich unter die Lupe - Charaktere, Stil usw - und das ist klasse. Ich hab das Buch nicht gelesen, aber kann mir dank deiner Rezension ein echt gutes Bild davon machen. Außerdem ist die Rezension schön lang und ausführlich, nicht nur ein paar oberflächliche Sätze - gefällt mir sehr gut!

    Obwohl ich also mit dem ersten Punkt (Märchen-Gedankenklau bei Märchenadaption) so gar nichts anfangen konnte, hat mir der Rest deiner Rezension sehr gut gefallen. Sehr gelungen, sehr aufschlussreich und überzeugend! Selbst wenn einem der "Gedankenklau", den du nicht gut findest, gefällt, scheint es doch kein Buch zu sein, dass letztlich überzeugen könnte. Also: vielen Dank für die Warnung! :)

    Viele Grüße!

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    1. Na ja... Ich will nicht bestreiten, dass Märchen kein Allgemeingut sind und ich habe auch erwartet, dass die Autorin sich auf andere Märchen beziehen oder anspielen wird, jedoch hat sie es meiner Meinung nach damit ein bisschen übertrieben... Und Shrek (die anderen genannten Bücher von dir kenne ich leider nur beim Titel) hat rein gar nichts damit zu tun. Disney erzählt ja quasi alle Märchen nur in einem jeweiligen Film neu.
      Und mit "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" habe ich eben meine Probleme in dem Buch gehabt, weil es einfach mein absoluter Lieblingsfilm ist - natürlich hat die Autorin auch darauf persönlich Stellung bezogen, kurz gefasst meinte sie, sie habe dieses Märchen nicht hinten erwähnt, weil es sich dabei ja um die Filmfassung und nicht um das Original Märchen handele... Macht es das weniger zum Plagiat? Nein. Auch Filme haben Urheberrechte. Mag sein, dass es nur eine blöde Szene war, aber... wenn das jeder so machen würde, wohin kämen wir denn dann?? Das ist der Punkt, auf den ich hinausmöchte. Es geht einfach nicht. Schließlich muss man ja auch heutzutage der GEMA schon Geld bezahlen, wenn der Schulchor auf dem Weihnachtsmarkt irgendwelche traditionnellen Weihnachtslieder singen möchte... (was nicht heißt, dass ich das gut finde, oh nein.)
      Jetzt noch zu dem Punkt, den du nicht so verstanden hast "Märchen-Gedankenklau bei Märchenadaptation" - dieser bezog sich hauptsächlich auf die Filmszene. Dennoch bin ich der Meinung, dass man auch heute noch moderne, neue Märchen schreiben kann, ohne auf Alte zurückgreifen oder sich stützen zu müssen - das hatte ich sogar erwartet. Wenn ich Dornröschen noch mal lesen wollen würde, würde ich mir den Disneyfilm anschauen oder mein Grimm-Sammelband hervorkramen...

      Dennoch möchte ich mich bei deinem sehr ausfühlichen Kommentar bedanken! :)

      Liebste Grüße,
      Tina (:

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  4. Also ich hab inzwischen beide Teile gelesen.. Und ich hatte anfangs auch startschwierigkeiten.. Aber so im ganzen find ich die Bücher ganz gut.. Und werd das 3 Buch der Reihe auch lesen..
    Es hat mich neugierig gemacht was so alles passiert..

    Aber zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden.. Wäre ja sonst langweilig..

    Kussi alex

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    1. Hey Alex :) (*ALEX-FETISCH-HAT-UND-AUF-DICH-STÜRZ*)
      (Danke übrigens für den "Hier kommt Alex" Ohrwurm

      Das habe ich "leider" schon öfter gehört, dass die Geschichte mit den folgenden Bänden besser werden soll, aber.. Mir hat sie einfach so wenig gefallen, dass ich beschlossen habe, ihr keine Chance mehr zu geben. Da ich wegen Abi und so momentan eh nur extrem wenig lesen kann, will ich meine Lesezeit lieber "klüger" einteilen :D Vielleicht in ein paar Jahren noch mal, wenn'*s verfilmt wird xD (Okay, mich dünkt, das war jetzt fies xD)

      Liebste Grüße,
      Deine Tina (:

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Huhu lieber potenzieller Kommentarschreiber (:

Immer nur her mit deiner persönlichen Meinung, wir freuen uns über Feedback aller Art, also nur nicht so schüchtern, sei ehrlich ;)

Wir wünschen dir noch alles Liebe und freuen uns auf deinen nächsten Besuch!

Bis Bald,
Deine Natalie und Tina